ibu Ingenieurbüro für Baubiologie und Umweltmesstechnik Dr.-Ing. Martin H. Virnich
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"Messung + Analytik"

Mikrobiologische Untersuchungen
auf offenen oder verdeckten Schimmelpilzbefall

Vorgehensweise

1. Begehung / Ortstermin

Schimmelpilzbefall
Sichtbarer Schimmelpilzbefall
Beim Ortstermin in der Wohnung erfolgt zunächst eine Begehung und Inaugenscheinnahme der Räume auf Verdachtsmomente für Schimmelpilzquellen und -belastungen.
Bei Verdacht auf Schimmelpilzbefall wird durch orientierende Raumklima- und bauphysikalische Messungen (Wandtemperatur, Wandfeuchte) ein erster Eindruck gewonnen, ob die typischen Voraussetzungen für ein mögliches Schimmelpilzwachstum gegeben sind. Dies ist am besten in der kalten Jahreszeit möglich, wenn die Außentemperatur deutlich niedriger als die Innentemperatur ist.
Gemeinsam mit dem Kunden wird auf Basis der Ergebnisse der Begehung die Probenahmestrategie für die nachfolgenden Untersuchungen diskutiert und festgelegt.
Die Untersuchungsergebnisse werden in einem schriftlichen Gutachten protokolliert und erläutert.

2. Untersuchungen auf Schimmelpilzbefall

Die unten aufgeführten Analysen stellen den am häufigsten angewandten Ausschnitt aus dem Spektrum der insgesamt möglichen mikrobiologischen Untersuchungen dar. Je nach Ergebnis der Begehung können daher auch andere Untersuchungen angezeigt sein.
Das mit der Durchführung der Analysen beauftragte externe Labor ist Referenzlabor für Ringversuche des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg; die Laborleiterin ist öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Schimmelpilze, Hausschwamm und andere holzzerstörende Pilze.

2.1    Folienkontaktproben bei offen sichtbaren Stellen mit Verdacht auf Schimmelpilzbefall
Bei offen sichtbaren Stellen mit Verdacht auf Schimmelpilzbefall werden Folienkontaktproben genommen. Bei der Folienkontaktprobe wird ein hoch transparenter Klebefilm gegen die Oberfläche der zu beprobenden Stelle gedrückt und anschließend auf einer Transparentfolie fixiert. Im Labor erfolgt die mikroskopische Auswertung.

2.2    Mikrobiologische Luftuntersuchungen (bei verdecktem Schimmelpilzbefall oder als zusätzliche Maßnahme bei offen sichtbaren Stellen mit Verdacht auf Schimmelpilzbefall)
Schimmelpilzsporen werden auch bei einem verdeckten Befall durch kleinste Öffnungen und Ritzen in die Raumluft getragen. Ein verdeckter – oder zusätzlich zu offen sichtbarem Befall vorhandener – Schimmelpilzbefall kann daher durch Untersuchungen der Innenraumluft auf Sporen nachgewiesen werden. Es ist sinnvoll, die im Hauptverdacht auf einen Schimmelpilzbefall stehenden Räume zu untersuchen sowie ggf. solche Räume, die im Verdacht stehen, durch luftgetragene Sporen von anderen Räumen kontaminiert zu werden.
Darüber hinaus müssen Außenluftproben als Referenzen für die Innenraumproben gezogen werden. Damit werden jahreszeitlich bedingte Außenlufteinflüsse erkennbar; diese sind von den Innenraumquellen zu differenzieren, um die Untersuchungsergebnisse nicht zu verfälschen. 
Der Analyse- und Kostenaufwand ist proportional zur Anzahl der Probenahmeorte plus eins (für die Außenluft-Referenzprobe). Bei Untersuchung eines Raumes sind also zwei Probenahmen erforderlich, bei zwei Räumen drei Probenahmen usw.
Um ein möglichst kurzfristiges Eintreffen der Proben im Labor sicherzustellen, können an Freitagen keine Proben genommen werden, da dieses einen Transport über das gesamte Wochenende bedeuten würde.
Mindestens 24 Stunden vor der Probenahme bis zum Ende der Probenahme sind Türen und Fenster geschlossen zu halten, um den Außenlufteinfluss zu begrenzen. In diesem Zeitraum sollen auch alle Aktivitäten vermieden werden, die zu stärkeren Luftbewegungen und der Aufwirbelung von Hausstaub führen.
Für die Inkubations- und Analysezeit im untersuchenden Labor sind ca. 2 Wochen zu veranschlagen.
 

Raumluftprobenahme

Raumluftprobenahme
für die Luftkeimsammlung

A)      Anzüchtbare Schimmelpilze (Luftkeimsammlung)

Zur Erfassung der Raumluftbelastung durch anzüchtbare Schimmelpilze (keimfähige Sporen) werden mittels eines speziellen Luftkeimsammelkopfes jeweils 100 Liter Raumluft auf Nährböden gezogen. Da verschiedene Schimmelpilz-Spezies unterschiedliche Nährböden bevorzugen, werden pro Probenahmeort zwei verschiedene Nährböden verwendet:

  • DG 18 (Dichloran-Glyzerin), Inkubation im Labor bei 24 °C (1 Nährboden)
  • Malzextrakt, Inkubation bei 24 °C und 37 °C (2 Nährböden)

Das Wachstum von Schimmelpilzen ist temperaturabhängig. Es werden daher die Malzextrakt-Proben doppelt gezogen und im Labor sowohl bei 24 °C als auch bei 37 °C (Körpertemperatur) inkubiert. Insgesamt werden damit pro Probenahmeort drei Proben auf Nährböden genommen.
Im Labor erfolgt die Inkubation der Proben unter definierten Bedingungen sowie die Auswertung nach Gattung und Anzahl der gewachsenen Schimmelpilze im Abstand von mehreren Tagen über eine Dauer von ca. 10 bis 12 Tagen.

B)      Gesamtsporen / Nicht bzw. nur schwer keimfähige Sporen
          (Luftpartikelsammlung)

Auch nicht bzw. nur schwer keimfähige und damit nicht/schwer anzüchtbare Schimmelpilzsporen, die sich dem Nachweis in der o.a. Untersuchungsmethode A) entziehen, können eine Gesundheitsgefährdung darstellen, da sie allergisierendes Potential besitzen und mit Mykotoxinen (Pilzgiften) beladen sein können. 
Zur Erfassung der Gesamtsporen wird ein Probenluftvolumen von 200 Litern über eine Schlitzdüse auf einen adhäsiv beschichteten Objektträger gezogen; die Probe wird im Labor mikroskopisch untersucht und ausgewertet.

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